Dr. Dietmar Weiß Beratung
Dokumenten-, Workflowmanagement und Betriebswirtschaft

Prozesskostenmanagement

Was ist Prozesskostenmanagement?

Das Prozeßkostenmanagement betrachtet betriebliche Abläufe unter dem Kostenaspekt.

Es analysiert und gestaltet deren Kostentreiber und ergreift Maßnahmen zur Kostengestaltung in den indirekten (verwaltenden)  Bereichen (vgl. Weiß, D, 1998).

Das Prozeßkostenmanagement wird als Baustein in einer Kette von Managementaufgaben verstanden, "deren gemeinsames Ziel es ist, das eigene Unternehmen mit seinen Aktivitäten langfristig strategisch in optimaler Weise in den Wertschöpfungsprozeß zu positionieren und die eigenen Aktivitäten auf die Aufgaben inner­halb der Wertschöpfungsketten abzustimmen." [Horváth, 1994, 485]

Da es die betrieblichen Abläufe unter dem Kostenaspekt stellt, analysiert und optimiert  es oft nur unter diesem Aspekt die Prozesse.

Gelegentlich werden dabei Qualität, Durchlaufzeit und Automatisierung vernachlässigt, so dass andere Prozessmanagement-Maßnahmen ergänzend einzusetzen sind.

Strategische Betrachtungsweise

Grundlage der strategischen Funktion des Prozeßkostenmanagements ist die Portersche Wertkette, durch deren Zerlegung in Wertaktivitäten bzw. Prozesse kostentreibende Aktivitäten erkannt und gestaltet werden sollen.

Da durch diese Strategieorientierung operative Informationen weitestgehend ungeeignet sind, benö­tigt man strategisch ausgerichtete Informationen über wettbewerbsentschei­dende Prozessse. Grundlage dafür ist das strategische Kostenmanagement mit den Aufgaben:
(vgl Kunesch, H., (1993), Grundlagen des Prozeßmanagements, Wien 1993, S.34)

  • Schaffen von Entscheidungstransparenz in allen Phasen der Wertkette, insbesondere im Gemeinkostenbereich.
  • Bereitstellung von Daten für eine Kalkulation in der Phase der Produktentwicklung.
  • Schaffen einer Basis für ein strategisches Kostencontrolling bzw. für eine strategische Kostenüberwachung.

Das Prozesskostenmanagementist hierfür gut geeignet.

Durch die prozeßorientierte Produktkalkulation werden Kostenträger bei Standard­produkten erheblich von Gemeinkosten entlastet. Kleine Auftragsgrößen sollen nur bei Durchsetzung eines erhöhten Preises angeboten werden, damit die ermittelten Gemeinkosten gedeckt werden.

Weitere strategische Wirkungen werden in drei Effekte unterteilt: Der Allokationseffekt bedeutet eine Gemeinkostenzuordnung in Abhängigkeit von den tatsächlich in Anspruch genommenen Ressourcen. Zu viele Varianten werden vermieden (Komplexitätseffekt). Der Degressionseffekt bedeutet, daß Produkte mit geringen Nachfragemengen in der Prozeßkostenrechnung höhere (Abwick­lungs‑)kosten tragen und umgekehrt

 

 

Operative Betrachtungsweise

Die operative Betrachtungsweise zeigt viele Gemeinsamkeiten der korrespondieren­den Betrachtungsebene im Bereich des Workflow Management, soweit es um die Prozeßmodellierung geht. Allerdings dominiert an dieser Stelle nicht der Entwurf und die Abwicklung informationeller Vorgänge, sondern die Infomationsversorgung über die angefallenen Kosten von Prozessen (oder auch über informationelle Vorgänge).

Das operative Prozeßkostenmanagement stellt Informationen für folgende Zwecke bereit:

  • Für die Kapazitätssteuerung, insbesondere in indirekten Leistungsbereichen sowie das Optimieren der Abläufe und das Aufdecken von Ineffizienzen in direkten und indirekten Bereichen.
  • Entscheidungen über Bestellverfahren, bei deren Auswahl die Prozeßkostenrechnung die relevanten Daten ermitteln soll.
  • Die Unterstützung einer kostenorientierten Preisfindung, die auch Nachfrage- und Konkurrenzgegebenheiten berücksichtigt.
  • Unterstützung von Make or Buy-Entscheidungen.
  • Datenbewertung und das Datencontrolling.

Operationelle Führungsmittel sind Aufgabenbeschreibungen, Ablaufpläne, Durchführungsbestimmungen, Mittelzuweisungen und Delegationen von Kompetenzen.

 

 

Das wesentliche Instrument für das Prozesskostenmanagement und die o.g. Aufgaben ist die Prozesskostenrechnung.

verwendete Literatur

Horváth, P., (1994), Controlling, Stuttgart, 5. Auflage 1994

Kunesch, H., (1993), Grundlagen des Prozeßmanagements, Wien 1993